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Infrastruktur- und Sachwerte gewinnen angesichts anhaltender Inflationssorgen an Bedeutung

Infrastruktur- und Sachwerte gewinnen angesichts anhaltender Inflationssorgen an Bedeutung

Als sich das Jahr 2026 seinem Halbjahrespunkt näherte, hielten die Sorgen über die Auswirkungen geopolitischer Schocks auf Inflation und Wirtschaftswachstum an – trotz Hoffnungen auf eine Entspannung des Konflikts im Nahen Osten.

Studien der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie Stellungnahmen der US-Notenbank (Federal Reserve) deuten darauf hin, dass geopolitisch bedingte Angebotsschocks die Inflationserwartungen auf einem höheren Niveau verankern könnten. So warnte beispielsweise EZB-Ratsmitglied Fabio Panetta am 29. Mai, dass sich die Preise für Öl und Gas selbst bei einer raschen Beilegung des Iran-Konflikts voraussichtlich nicht schnell normalisieren würden.

Anleger, die versuchen, die zahlreichen makroökonomischen Einflussfaktoren einzuordnen, suchen zunehmend nach Möglichkeiten, die Widerstandsfähigkeit und Diversifikation ihrer Portfolios zu stärken und gleichzeitig von neuen Chancen zu profitieren.

Vor diesem Hintergrund haben insbesondere Infrastruktur- und Sachwertanlagen (Real Assets) an Bedeutung gewonnen. Die nachstehende Grafik verdeutlicht beispielsweise einen deutlichen Anstieg der grenzüberschreitenden Nettomittelzuflüsse in europäische offene Infrastrukturfonds (in Euro) im ersten Halbjahr 2026.
 


Mittelzuflüsse in börsennotierte Infrastrukturanlagen spiegeln sich auch in den privaten Märkten wider.
Laut der jährlichen Private Markets 700 Survey 2025 von IFM Investors steigen die Allokationen in diesem Bereich, da Anleger zunehmend vom Renditepotenzial von Infrastruktur-Eigenkapital- und Infrastruktur-Fremdkapitalanlagen überzeugt sind.

Auf Basis der Antworten von 714 leitenden Investmentexperten wird erwartet, dass der Anteil institutioneller Anleger, die Kapital in Infrastruktur-Eigen- und Fremdkapital investieren wollen, bis 2030 von 50 % auf 60 % steigt. Als wichtigste Beweggründe werden Risikomanagement und die Verbesserung des Renditepotenzials genannt. Die Befragten gehen davon aus, dass Infrastruktur-Eigen- und Infrastruktur-Fremdkapital künftig höhere Renditen erzielen können als Private Equity beziehungsweise Private Debt. Die erwarteten durchschnittlichen Nettorenditen liegen bei 13,4 % für private Infrastruktur-Eigenkapitalanlagen und 9,59 % für private Infrastruktur-Fremdkapitalanlagen.

Nach Einschätzung verschiedener Experten von BNY lässt sich dieser Trend vor dem Hintergrund des Übergangs zu einer neuen, bislang noch nicht klar definierten Wirtschaftsordnung verstehen. In diesem Umfeld dürften Volatilität, angebotsseitige Schocks und erhöhte makroökonomische Unsicherheit häufiger auftreten. Anleger werden daher verstärkt auf aktive und gezielte Renditequellen setzen müssen – statt vorwiegend auf breit diversifizierte Beta-Exposures, die von den außergewöhnlich lockeren geldpolitischen Bedingungen der Vergangenheit profitiert haben. Gleichzeitig gewinnen Diversifikation und der Schutz vor Abwärtsrisiken weiter an Bedeutung.

Ein weiterer attraktiver Aspekt von Infrastrukturanlagen ist der weltweit enorme und langfristige Bedarf an Infrastrukturprojekten. Getrieben wird dieser insbesondere durch strukturelle Trends wie:

  • Energiesicherheit und Dekarbonisierung: Geopolitische Veränderungen sowie ambitionierte Klimaziele haben den Bedarf an Investitionen in erneuerbare Energien, den Ausbau der Stromnetze und Energiespeicherlösungen deutlich erhöht.
  • Digitalisierung und Künstliche Intelligenz: Das starke Wachstum von Künstlicher Intelligenz, Cloud Computing und Anforderungen an die Datensouveränität führt zu einer erheblichen Nachfrage nach digitaler Infrastruktur wie Glasfasernetzen und Rechenzentren.

Laut der Unternehmensberatung McKinsey & Company sind bis 2040 weltweit Infrastrukturinvestitionen in Höhe von schätzungsweise 106 Billionen US-Dollar erforderlich, um den Anforderungen des globalen Bevölkerungswachstums gerecht zu werden und den technologischen Fortschritt zu unterstützen.

Viele Regierungen bemühen sich, dieser Herausforderung zu begegnen. So verabschiedete das Vereinigte Königreich im Dezember vergangenen Jahres den Planning and Infrastructure Act 2025, ein bedeutendes Gesetzespaket zur Beschleunigung des Wohnungsbaus, zur Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur und zur Förderung sauberer Energieprojekte. Im März 2026 bezifferte die National Infrastructure and Service Transformation Authority das Volumen der britischen Infrastrukturprojekt-Pipeline für das kommende Jahrzehnt auf 718 Milliarden Pfund Sterling.

Insgesamt bietet Infrastruktur aus Sicht vieler Anleger attraktive Eigenschaften – insbesondere für Investoren, die sich gegen geopolitische Unsicherheiten und makroökonomische Volatilität wappnen möchten und gleichzeitig nach Inflationsschutz, robuster Diversifikation und stabilen Ertragsquellen suchen.

Infrastrukturanlagen können als Inflationsabsicherung dienen, da ihre Einnahmen häufig an langfristige Verträge oder regulierte Rahmenbedingungen gekoppelt sind, die Mechanismen zur Weitergabe von Inflation beinhalten. Dies kann dazu beitragen, reale Erträge auch in Phasen erhöhter Preissteigerungen zu schützen. Die Risiko-/Renditeentwicklung von Infrastrukturanlagen während des Inflationsanstiegs zwischen April 2021 und Juni 2023, als die jährliche Verbraucherpreisinflation (CPI) über 4 % lag, stützt diese Sichtweise zusätzlich.
 

 


Infrastruktur kann zudem widerstandsfähige und defensive Erträge bieten.
Dies liegt daran, dass Infrastrukturanlagen wie Mautstraßen, Versorgungsunternehmen oder Stromnetze essenzielle Dienstleistungen bereitstellen und daher in der Regel über alle Wirtschaftszyklen hinweg von einer stabilen und gut planbaren Nachfrage profitieren.

Zwar dürften die Inflations- und Wachstumssorgen an den Märkten angesichts der Anzeichen einer Entspannung des Konflikts im Nahen Osten teilweise nachlassen. Dennoch spricht weiterhin einiges dafür, Portfolios um Anlageklassen zu ergänzen, die die Widerstandsfähigkeit erhöhen können und über die Diversifikationsvorteile eines traditionellen 60/40-Portfolios aus Aktien und Anleihen hinausgehen.

1A European Central Bank research post has warned that consumer expectations following the Iran war point to renewed stagflation concerns, although the reaction has so far been less severe than that which followed Russia’s invasion of Ukraine in 2022. See ECB blog, 29 May 2026, “Geopolitical risk and scarring effects on consumer expectations: insights from the wars in Ukraine and Iran” https://www.ecb.europa.eu/press/blog/date/2026/html/ecb.blog20260529~fdd1d1e8a3.en.html

Meanwhile, Federal Reserve Bank of St. Louis President Alberto Musalem has stated that policymakers should not rely on a potential AI-driven productivity boom to reduce the currently elevated US inflation, which remains significantly above the 2% target. Source: Bloomberg. https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-05-28/fed-s-musalem-says-officials-can-t-rely-on-ai-to-fix-inflation?srnd=homepage-europe

2 Source: Reuters, 29 May 2026.  https://www.msn.com/en-gb/money/other/ecb-will-act-to-head-off-persistent-inflation-panetta-says/ar-AA24lmB2?ocid=BingNewsSerp. In June, the ECB raised its key interest rate to 2.25% to combat inflation – its first tightening move since 2023.

3IFM Investors’ Private Markets 700 Report, 2025. The report provides a window into how institutional investors around the world view and approach private markets.

4McKinsey & Company, Global Private Markets Report, March 2026, “Infrastructure: Investing to support global growth”.

5Source: National Infrastructure and Service Transformation Authority (NISTA) press release “Infrastructure Pipeline update signals future workforce needs” dated 9 March 2026. NISTA is a public agency set up in 2025 to advise the UK Government on infrastructure delivery and improvement.

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